Die Psychologie des Feuerlaufs
Für den Zuschauer ist es immer wieder faszinierend, zu beobachten, wie sich die mutigen Feuerläufer auf die glühenden Kohlen trauen und für längere Zeit auf ihnen herumlaufen. „Wow, ich hätte mich das nie getraut!“, sagte eine Frau im Publikum neulich bei einer Show. Da hat sie wahrscheinlich nicht ganz unrecht. Denn mit dem Lauf auf dem Feuer ist es (psychologisch gesehen) so, wie mit vielen andere Dingen:
Feuer ist etwas, das uns verletzten kann. Wahrscheinlich hat jeder von uns in seinem bisherigen Leben schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es schmerzhaft sein kann, mit Flammen oder einem Stück glühende Kohle in Berührung zu kommen. Diese Schmerzen vergisst man nicht so leicht und wenn man Feuer sieht, wird man (von dem Zeitpunkt des negativen Erlebnisses mit Feuer) vorsichtiger sein, was den Umgang mit Flammen betrifft.
Man entwickelt neben einer gewissen Vorsicht also auch Angst, denn man kennt die Gefahr. Möchte man einen Feuerlauf machen, so ist man genau dieser Angst ausgesetzt, denn die bekannte Gefahr steht einem drohend gegenüber. Typisch für uns Menschen, wenn wir Angst haben, ist, dass wir in Stresssituationen kommen. Unsere Hände schwitzen, das Herz schlägt schneller, wir sind plötzlich sehr wachsam – unser ganzer Körper ist wach.
Die Angst vor dem Feuer ist präsent und sie lässt uns wachsam sein. Ein Feuerläufer muss diese Angst jedoch überwinden, wenn er die Kohlen betreten möchte. Es ist anfangs gar nicht so leicht. Man kann es jedoch lernen und wenn man seine Angst einmal überwunden hat, so wird es einem beim nächsten Mal leichter fallen. Man könnte das vergleichen mit einem Kind, dass sich endlich auf die Wasserrutsche traut. Hat es erst einmal die Angst überwunden und ein lustiges Erlebnis auf der Rutsche gehabt, wird es vielleicht gleich noch einmal rutschen wollen.
Ähnlich ist es auch beim Feuerlauf. Es gibt verschiedene Mittel, die bei der Angstbewältigung zu helfen, z.B. Gruppenrituale. Die Gruppe stärkt den Einzelnen. Andere Läufer lassen sich vor dem Lauf in eine Art Trance versetzen. Jeder Läufer sollte seine eigene beste Strategie zur Angstbewältigung finden.